Rheinische Post vom 19.03.2010: Verbände fürchten um Existenz des Zivildienstes

Die Verkürzung der Wehrdienstzeit von derzeit neun auf sechs Monate ab dem 1. Oktober hat Wohlfahrtsverbände und Kommunen alarmiert. “Das bringt verheerende Folgen für den Zivildienst und damit für die sozialen Dienste am Menschen mit sich”, sagte der Chef des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg.

Der Einsatz der 90 000 Zivildienstleistenden muss ebenso wie der Wehrdienst auf sechs Monate reduziert werden. Die Wohlfahrtsverbände und Kommunen fürchten, dass die Zivis künftig nicht mehr so arbeiten können wie bislang. “Zwei Drittel der Zivis leisten direkt Dienst am Menschen”, betonte Kerstin Griese vom Vorstand der Diakonie. Da sei es besonders schwierig, wenn die Bezugsperson ständig wechsle. Auch als Krankenwagenfahrer und Betreuer von Schwerstbehinderten werden Zivildienstleistende künftig wohl nicht mehr in Frage kommen. “Die Ausbildung dauert in der Regel mehrere Monate, so dass sich dies nicht mehr lohnt”, betonte Landsberg. Der Zivildienst stehe damit praktisch vor dem Aus.

Die Verbände fühlen sich von der Politik allein gelassen. Union und FDP sind sich uneinig, wie der Zivildienst künftig organisiert werden soll. Die Union will eine freiwillige Verlängerung ermöglichen. Die Liberalen, die den verpflichtenden Wehrdienst und damit auch den Zivildienst am liebsten ganz abgeschafft hätten, sind dagegen.

Die Sozialverbände streben ebenfalls eine freiwillige Verlängerung an. “Wir fordern, dass das Geld, das durch den verkürzten Zivildienst eingespart wird, in die freiwilligen Dienste investiert wird”, forderte Griese. Städtebund-Chef Landsberg hält es allerdings für “illusorisch” zu glauben, man könne auf freiwilliger Basis die große Mehrheit der Zivildienstleistenden für eine längere zusätzliche Dienstzeit gewinnen.

Von Eva Quadbeck

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