Archiv für September 2007

Nachdenkaktion Josefshaus-Herbede

Donnerstag, 27. September 2007

Am Freitag, den 28.09.07 in der Zeit von 10.00 bis 13.00 Uhr beteiligt sich das Kath. Altenzentrum St. Josefshaus-Herbede an einer „stummen Aktion“ durch das Aushängen von Bettlaken und Handtüchern aus den Heimfenstern.

Diese Aktion wird als „Nachdenkaktion“ gemeinsam mit dem Marienhaus in
Essen, Otilienstraße, zeitgleich durchgeführt.
Die Bewohner und Mitarbeiter des St. Josefshauses-Herbede hoffen hierdurch
die Aufmerksamkeit der Bevöllcerung gerade jetzt zu wecken, weil

- sich wesentliche gesetzliche Änderungen für Pflegebedürftige in naher Zukunft geplant sind zu Lasten der Pflegebedürftigen und jeder schon morgen selbst betroffen sein kann,

- es keine Pflegebedürftigkeit nach Kassenlage, sondern nur nach Bedürftigkeit der Versicherten geben darf (Für die Teilnahme der BW an 4 Kriegsschauplätzen in der Welt fragt niemand nach der Kassenlage),

- sich Pflegekassen (hier insbesondere die Landes-BKK) sträuben Ausbildung im notwendigen Umfang zu genehmigen,

- die Bürokratie trotz der Wechsel in Bundes- und Landesregierung weiter wächst und der Formalismus immer mehr Pflegekräfte im Papierwahn fixiert und der Pflege entzieht,

- sich die Politik der Unterstützung verweigert (die meisten haben wie die Vogel-Strauß-Politik bereits den Kopf im Sand, obwohl noch gar kein Sand zu sehen ist),

- Landschaftsverband und Pflegekassen im Auftrag der örtlichen Kommunen (EN Kreis) Budgets für die Pflegeausbildung streichen, obwohl weder Gesetze noch Verordnungen dieses legitimieren,

- gleichzeitig der MDK, Med. Dienst der Krankenversicherungen, die Qualität in einigen Häusern beanstandet, obwohl er selbst dazu beiträgt “hier wird der Bock zum Gärtner gemacht”, Zitat eines Kollegen,

- die durch den Rundfunk bekannte Ullillallila Schmidt sich durch professionelle Unfähigkeit auszeichnet; sie sollte ein neues Ministerium erhalten; Ministerium für längst erledigte Angelegenheiten. Dort wäre sie mit ihren Planungen zu Demenzerkrankten auf der aktuellen Seite. Auch ein Kollegenzitat: Der MDK scheint wohl auf dem Schoß von Frau Schmidt zu sitzen (und diese freut sich wenigstens einen Freund zu haben.)

Mit freundlichen Grüßen
Günter Schröder
Geschäftsführer und Heimleiter Kath. Altenzentrum St. Josefshaus Herbede gGmbH
Voestenstr. 13 — 15
58456 Witten, 27.09.07

Auszug aus dem Interview zwischen Ruhrwort und Thomas Groß/Heimleiter Elisabeth-Groß-Haus vom 08.09.2007

Montag, 17. September 2007

Ruhrwort: Wie jedes andere Heim arbeitet auch das Elisabeth-Groß-Haus unter dem Diktat von Pflegesätzen und des Kostendrucks. Ist die Namensgebung Elisabeth Groß bei solch realistischer Betrachtung ein Anspruch, der Pflegekräfte und die Leitung überfordert.

Groß: Ich bin der festen Überzeugung, dass wir als kirchliche Einrichtung einen besonderen Auftrag zur Pflege und Betreuung von hochaltrigen und jungen pflegebedürftigen Menschen haben. Das Diktat des Kostendrucks muss daher nicht im Gegensatz zur Ausrichtung eines konfessionellen Trägers stehen. Es ist eher Ansporn, den Auftrag des Evangeliums zur Hilfestellung in allen Lebenslagenzu verdeutlichen. Schon heute ist es ja so, dass viele erbrachten Leistungen finanziell nicht vergütet werden und die konfessionellen Einrichtungen dies aber auf Grund ihres Auftrags selbstverständlich tun.

Ruhrwort: Gibt es in Sachen Pflege offene Wünsche an die Politik, die Sie als Heimleiter auch mit dem Namen Ihrer Großmutter verbinden würden?

Groß: Der ständig steigende Anteil der demenziell Erkranktenim häuslichen wie im stationären Bereich bereitet mir große Sorgen. Ich hoffe, dass bei den nun zu erwartenden neuen gesetzlichen Regelungen der nicht unerheblichen Nachholbedarf erkannt ist. Geld, gute Ideen und Projekte sollten zu einer weiteren Qualitätsverbesserung zum Wohle dieses Personenkreises beitragen. Ansonsten kann ich nur kurz anmerken, dass die erhebliche Regelungswut des Gesetzgebersm die Tendenz, alles und jedes formalistisch zu verpacken, ein deutliches Ende finden muss. Für die konfessionellen Einrichtungen wünsche ich mir daher, dass trotz der engen Grenzen durch die angesprochene Finanzierungssituation ihr Profil weiter zum Tragen kommt. Es geht um ein unverwechselbares Profil im Liebesauftrag gegenüber dem Schwächen und Hilflosen.

RuhrWort vom 08.09.2007

Montag, 17. September 2007

Pflegeskandal?

Caritas weist Berichte energisch zurück

Berlin. Der Deutsche Caritasverband sieht Verbesserungen bei der Pflege in Deutschland und hat Berichte über einen Pflegeskandal zurückgewiesen. Der in der letzten Woche veröffentlichte Bericht des Medizinischen Diensts der Krankenkassen (MDS) zeige, dass mehr als 90 Prozent der Pflegebedürftigen mit der Qualität der Versorgung zufrieden seien, erklärte Verbandspräsident Peter Neher in Berlin. Bedauerlicherweise auftretende Einzelfälle einer schlechten Pflegequalität spiegelten nicht die überwiegende Realität in den Einrichtungen und Diensten wider.
In der Reaktion auf den MDS-Bericht war auch den Kirchen Mitschuld an dem angeblichen Pflegeskandal vorgehalten worden. So warf die Vereinigung für Integrationsförderung Krankenhäusern, Rettungsdiensten und auch Seelsorgern “ewiges Schweigen” vor. In einem Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” sagte ihr Sprecher Claus Fussek: “Wo bleiben die Hospitäler, die Rettungskräfte oder auch Seelsorger, die den MUnd aufmachen und gegebenenfalls Strafanzeige erstatten?”
Caritas-Präsident Neher sagte, die hohen Zustimmungswerte der Pflegebedürftigen seien “im Wesentlichen ein Verdienst der Einrichtungen und Dienste, die konsequent seit Jahren ein internes Qualitätsmanagement betreiben”. Die von der Bundesregierung vorgelegten Eckpunkte einer Pflegereform zeigten, wo Verbesserungen notwendig seien. Neher forderte eine angemessene Versorgung demenzkranker Menschen, die Anpassung der Leistungssätze an die Preissteigerungen und die stärkere Vernetzung von ambulanten und stationären Einrichtungen und Diensten, unterstützt von ehrenamtlichem Engagement.
Der Caritas-Präsident sprach sich zugleich für eine bundesweit einheitliche Qualitätsberichterstattung in der Pflege aus. Derzeit fehlten noch anerkannte wissenschaftliche Indikatoren, mit denen Qualität zuverlässig gemessen werden könne. In Deutschland gibt es 2,1 Millionen Pflegebedürftige; 1,4 Millionen werden zu Hause versorgt.

Zeitungsartikel der NRZ vom 03.09.2007

Freitag, 7. September 2007

Muss die Pflege in die Pflege?

ESSEN KONTROVERS. Die Diskussionsrunde von NRZ und VHS widmet sich einem brisanten Thema.
Der jüngste Pflegebericht sorgte für Schlagzeilen: In vielen Einrichtungen erhalten hilfsbedürftige Menschen nicht die erforderliche Betreuung. Nur ein Vorurteil oder oft genug traurige Wirklichkeit? Bei der nächsten Runde von “Essen kontrovers”, dem Diskussionsforum von NRZ und Volkshochschule, sollen die Hintergründe beleuchtet werden. Treffpunkt ist am 12. September, 19 Uhr, in der VHS am Burgplatz.

An diesem Abend geht es nicht zuletzt um die Rolle des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). An seinen Gutachen zur Eingruppierung in die Pflegestufen wird immer häufiger Kritik laut. In Essen, so sagen Experten, liegt die Zahl der Widersprüche gegen das Urteil des MDK überdurchschnittlich hoch, etliche Fälle landen vor Gericht. Und in vielen Heimen wächst die Sorge, dass die Aufgaben nicht mehr zu erfüllen sind. Denn: Niedrige Pflegestufe bedeutet weniger Geld. Also wird Personal abgebaut. Beschränkt sich die Betreuung nur noch auf Butterbrot und Pampers? Oder empfangen die Bewohner noch die Zuwendung, die wünschenswert ist? Darüber diskutieren miteinander und mit dem Publikum:

Dr. Michael Werner, Leiter des Begutachtungszentrums Essen der MDK Nordrhein Oliver Hartmann, Stellvertretender Leiter der AOK Essen Gertrud Seel, Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen Dr. Helmut Schaffert, Arzt für Gerontopsychiatrie, Berater Essener Pflegeheime von Caritas und AWO Thomas Miedzinski, Zentraler Pflegedienst der Katholischen Alten- und Pflegeheime Die Moderation hat Thorsten Scharnhorst.

03.09.2007