Archiv für Juni 2006

Pressemitteilung: Bundesweite Nachdenkaktion der Altenhilfe geht in die zweite Runde

Freitag, 16. Juni 2006

Essen. Pünktlich zum ersten Jahrestag geht die bundesweite Nachdenkaktion der stationären und ambulanten Altenhilfe in eine zweite Runde. Am 1. und 29. September 2006 rufen die Initiatoren erneut zur gemeinsamen Nachdenkstunde auf.

Wie bereits im vergangenen Jahr, kommen Bewohner, Mitarbeiter sowie alle Interessierten zu einem einstündigen Gedankenaustausch vor ihren Einrichtungen zusammen und machen die Öffentlichkeit mit individuell gestalteten Aktionen auf die derzeitig desolate Situation in der Altenpflege aufmerksam.

“Der große Erfolg der Nachdenkaktion 2005 und die Aufmerksamkeit der Medien für dieses wichtige soziale Thema bestätigt die Notwendigkeit für eine Wiederholung.” Es sei erfreulich, dass sich auch für dieses Jahr wieder viele Einrichtungen in der ganzen Bundesrepublik an der Nachdenkaktion beteiligen werden, sagte Georg Bonerz, Mit-Initiator und Geschäftsführer des Alten- und Pflegeheims Marienhaus in Essen.

Der Aufruf zum Mitmachen richtet sich insbesondere an die Basis der Pflege. So sind Leitungen sowie Mitarbeiterinnern und Mitarbeiter von Altenhilfeeinrichtungen herzlich eingeladen, Bildmaterial und Presseausschnitte ihrer individuellen Nachdenkaktion einzuschicken und auf der zentralen Homepage www.nachdenkaktion.de zu veröffentlichen.

Mögliche Fragestellungen, die diskutiert werden können:

Sind die Rahmenbedingungen innerhalb derer sich die Altenpflege zur Zeit bewegt noch erträglich?

Sind wir dafür da, um die Pflegebürokratie am Leben zu erhalten oder sind wir für die uns anvertrauten Menschen zuständig?


Ist der Eindruck richtig, dass der größte Teil der stationären und ambulanten Pflege aufgehört hat zu kämpfen und sich aufzulehnen - vor allem argumentativ?

Pressekontakt:
Georg Bonerz
Telefon (0201) 874 400
Email: info@nachdenkaktion.de

Menschenrechtsinstitut stellt Studie vor

Mittwoch, 14. Juni 2006

Berlin. Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat der Bundesregierung empfohlen, einen bundeseinheitlichen “Standard für die menschenwürdige Grundversorgung” in der Pflege zu entwickeln. Das könne die Rechte der Pflegebedürftigen wesentlich stärken, sagte Valentin Aichele, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Menschenrechte, anlässlich der Vorstellung der Studie „Soziale Menschenrechte älterer Personen in Pflege“ am Mittwoch in Berlin. In Deutschland gebe es „strukturelle menschenrechtliche Defizite“ in der Pflege. “Die Mängel betreffen so viele Personen und so wesentliche Bereiche der Pflege, dass man davon ausgehen muss, dass sie strukturbedingt sind“, erklärte Aichele. Zudem sprach er sich für unabhängige Beratungs- und Beschwerdestellen auf kommunaler Ebene aus. Das schaffe Transparenz und könne wichtige Handlungsoptionen für Betroffene und Angehörige eröffnen. „Hier sehe ich die Bundesländer in der Pflicht“, sagte Aichele.

Das Menschenrechtsinstitut empfiehlt darüber hinaus dem Bundesgesundheitsministerium, die 2005 vom Runden Tisch Pflege ausformulierte „Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen“ unter den Betroffenen und den an der Pflege beteiligten Akteuren bekannt zu machen und die systematische Anwendung der Charta durch Programme bundesweit zu fördern.

Es sei noch ungewöhnlich, das Thema Altenpflege in den Zusammenhang der Menschenrechte zu stellen, sagte Heiner Bielefeldt, Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte. „Ziel der Studie ist es, die positiven menschenrechtlichen Gewährleistungsfunktionen des Staates im Bereich Pflege wie beispielsweise Qualitätskontrollen und Infrastrukturmaßnahmen aufzuzeigen“, so Bielefeldt. Der Menschenrechtsansatz biete grundlegende Leitlinien, wie der Staat gemeinsam mit nichtstaatlichen Akteuren an der Verwirklichung der Rechte auf Pflege und auf angemessene Unterbringung arbeiten könne.

Jakob Schneider / Valentin Aichele: Soziale Menschenrechte älterer Personen in Pflege. Berlin: Deutsches Institut für Menschenrechte, 2006, 62 Seiten. ISBN 3-937714-20-0

Studie zum Download